7 Gründe, warum der Hype um Pentatonix absolut berechtigt ist!

Mir ist aufgefallen, dass ich hier im Blog noch nie einen längeren Artikel über Pentatonix geschrieben habe. Ich dachte, ich nehme mal das aktuelle, gleichnamige Album zum Anlass, das zu ändern. Ein A-cappella-Blog ohne Pentatonix hat ja den Namen quasi nicht verdient. 😉 Heute gibt es also sieben Fakten über das Quintett, die gleichzeitig sieben Argumente sind, warum der Hype um die Gruppe aus meiner Sicht gerechtfertigt ist!

  1. Pentatonix haben 2011 die dritte Staffel der A-Cappella-Castingshow The Sing-Off gewonnen. Kirstin Maldonado, Scott Hoying und Mitch Grassi kannten sich bereits aus der Schule. Für die Teilnahme an der Show waren allerdings mindestens vier Gruppenmitglieder erforderlich. Deshalb kontaktierten sie den Bass Avi Kaplan, der in der A-cappella-Szene schon einen gewissen Bekanntheitsgrad hatte. Auf Beatboxer Kevin „K.O.“ Olusola wurden sie durch seine Cello & Beatbox-Videos bei Youtube aufmerksam. Einen Tag (!) vor dem Casting für die Show sang die Gruppe zum ersten Mal zusammen.
  2. [youtube id=“9STdbGrfCLA“]

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  3. 83 Youtube Videos (+ weitere 89 auf ihren zweiten Kanal PTXVlogs), vier Alben und vier EPs (, bei denen es allerdings eine Schnittmenge gibt), mehrere Tourneen, Live-Auftritte in führenden TV-Shows (z.B. Wetten dass…?, The Tonight Show with Jimmy Fallon und The Ellen DeGeneres Show), die Dokumentation „On my way home“ und ein Auftritt im Film „Pitch Perfect 2“: Mit dieser Auflistung von Zahlen und Fakten will ich sagen, dass da jemand fleißig wie ein Bienchen ist und hart für den Erfolg arbeitet. Wer denkt, das wäre ihnen alles zugeflogen, täuscht sich.
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    Sowohl die einzelnen Mitglieder als auch die Gruppe als Ganzes mussten einiges einstecken. Scott hatte sich z.B. vor The Sing-Off schon bei diversen anderen Castingshows beworben, es aber nie bis nach ganz vorn geschafft. Nach dem Sieg bei The Sing-Off ließ ihr erstes Plattenlabel Epic Records die fünf fallen, weil dort niemand an den Erfolg der Gruppe glaubte.

  5. Pentatonix sind wahre Meister, was die Selbstvermarktung über die sozialen Netzwerke und Youtube angeht. Sie haben bei Youtube aktuell über 9,2 Millionen Abonennten und mehr als 1,8 Milliarden Klicks. Die Band sagt selbst, sie wäre ohne Youtube nicht da, wo sie heute ist. Das Bemerkenswerte ist, dass sie von Anfang an intuitiv alles richtig gemacht haben. Der Facebook Account ging kurz vor The Sing-Off an den Start und Ende der Staffel hatten sie schon 31.000 Facebook Fans. (Inzwischen sind es 2,5 Millionen.) Bereits in den ersten Wochen haben sie kurze Videos (in Handyqualität) hochgeladen, in denen sie sich an die Fans wendeten und Coverwünsche entgegennahmen. Das erste Youtube Video, ein Cover von „Moves like Jagger“, wurde Anfang 2012 hochgeladen. Für ihren Kanal haben sie mittlerweile einige Preise gewonnen, darunter die Youtube Music Awards für den „Artist of the Year 2015“. Unter den Musikkanälen mit den meisten Abonnenten auf Youtube steht Pentatonix an 14. Stelle.
  6. [youtube id=“k5wqHrUD4Xg“]

  7. Die können richtig was und bezeichnen sich selbst als „Choir-Nerds“. Das Oberstimmen-Trio hat im Rahmen des Musikprogramms ihrer Highschool eine solide musikalische Ausbildung genossen, spielte in Musicals, hatte Gesangsunterricht und alle drei waren Mitglieder im Texas-All-State Choir, einem ambitionierten Auswahlchor. Nach der Highschool begann Scott ein Popmusikstudium und schloss sich der A-cappella-Gruppe SoCal VoCals an seiner Universität an. Kirstie entschied sich für eine Musicalausbildung. Beide unterbrachen ihr Studium allerdings nach dem Gewinn von The Sing-Off. Avi Kaplan war, als er zu den drei stieß, schon ein sehr gefragtes Mitglied der A-cappella-Szene. Er sang in den Gruppen Fermata Nowhere und Sincopation und studierte später klassische Musik und Operngesang. Avi war der erste Bass, der den Preis für die “Best Rhythm Section” bei der ICCA (International Championship of Collgiate A Cappella) gewonnen hat – davor hieß die Preiskategorie „Best Vocal Percussionist“. Kevin hat mit seinem Cellospiel bereits vor der Pentatonix-Ära einige Preise gewonnen. Das Beatboxen brachte er sich selbst bei. Er ist der erste der fünf, der mit einem Soloalbum jetzt auch eigene Wege geht.
  8. [youtube id=“X7Z4aumXRtk“]

  9. The Sing-Off Juror Shawn Stockman sagte einmal über Pentatonix „I think you guys were sent back from the future to save a cappella and do it in a futuristic way!“ Ich habe das Gefühl, dass es unter uns Aca-Nerds, die wir Pentatonix schon seit einigen Jahren kennen, gewisse Gewöhnungseffekte gibt, was ihre Art des Arrangierens angeht, aber als ich sie 2012 für mich entdeckte, war das, was sie machten, schon sehr besonders. Vor allem die starke Fokussierung auf Bass und Beatbox, Breakouts und andere überraschende Elemente aus Dubsteb, Hip Hop, Electro und weiteren Stilrichtungen, mit denen man beim Zuhören überhaupt nicht rechnet, haben mich damals ziemlich beeindruckt. Das Besondere ist, dass die meisten der Arrangements trotzdem relativ simpel sind, weil sie überwiegend nicht auf einem Blatt Papier bzw. am Computer komponiert werden, sondern durch Improvisation in der Gruppe entstehen. Ich würde behaupten, dass das bei Weitem keine Fähigkeit ist, die jedes Ensemble mitbringt. Hier bekommt ihr einen kleinen Eindruck (ab 3.22 Min.), wie sie gemeinsam an einem Song arbeiten:
  10. [youtube id=“DHAC95bWnig“]

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    Für den typischen Pentatonix Sound ist außerdem der Gesang wichtig, der stark von R&B-SängerInnen wie Beyoncé beeinflusst ist, und natürlich die sehr charismatischen Stimmen (und Persönlichkeiten), die sich trotzdem gut mischen. (Wir sprechen hier natürlich nicht von einem Blending wie bei den Swingles, aber von dem, was Normalsterbliche so darunter verstehen… ;-))

  11. Sie haben einen Grammy! Gemeinsam mit Ben Bram, einem in der Vokalszene sehr bekannten Arrangeur und Produzenten, der die Gruppe schon von Anfang an begleitet, gewannen sie Anfang des Jahres einen Grammy in der Kategorie „Best Arrangement, Instrumental or A Cappella“ für ihr Daft-Punk-Medley. (Über 150 Millionen Klicks auf Youtube!) In der Vergangenheit haben bereits einige A-cappella-Künstler Grammys in anderen Kategorien gewonnen, trotzdem ist das natürlich eine Wahnsinnsauszeichnung!
  12. [youtube id=“3MteSlpxCpo“]

  13. Für ihre erste EP „PTX Volume I“, die 2012 erschien, schrieben Pentatonix bereits zwei eigene Songs. Auf dem neuen Album mit dem kreativen Namen „Pentatonix“ sind fast nur Originale. Für mein Gefühl ist es in USA noch etwas stärker als in Deutschland üblich, dass A-cappella-Gruppen überwiegend covern, aber auch im internationalen Vergleich nimmt Pentatonix eine Sonderrolle ein. Sie haben es geschafft, Vokalmusik zu schreiben, die weltweit den Geschmack der Musikhörer trifft – nicht nur den der nerdigen A-cappella-Fans und Kleinkunst-Liebhaber, sondern der großen Masse, insbesondere der jungen Zielgruppen. Ich persönlich finde das Album im Vergleich mit anderen Popmusik-Alben nicht unbedingt herausragend, aber es gibt einige Lieder, die ziemlich cool geworden sind. Und mal ehrlich, wann war das letzte Mal, dass ihr ein Album von vorn bis hinten super fandet? Bei mir ist das vermutlich schon ein bisschen her und es spielt auch keine große Rolle. Schon mit ihrer Weihnachts-CD „That’s Christmas to me“ haben sie 2014 das vierterfolgreichste Album des Jahres in den USA vorgelegt. „Pentatonix“ ist vor kurzem an die Spitze der Billboard-Charts geklettert – Weltpremiere für ein A-cappella-Album. (Darüber berichtet sogar n-tv.)
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In nur vier Jahren haben sie ihren Traum erfüllt, die erste „Mainstream-A-Cappella-Band“ zu werden und wahnsinnig viele andere Gruppen mit ihrer Musik beeinflusst und ihrer Art Youtube und die anderen sozialen Netzwerke für sich zu nutzen. Und was noch wichtiger ist: sie haben der Welt gezeigt, dass A-cappella-Musik cool sein kann und damit (hoffentlich) den Weg für viele andere bereitet. Das einzige, bei dem ich mir im Bezug auf Pentatonix nicht sicher bin, ist die Frage, ob die gefühlt tausend Cover des Daft-Punk-Medleys, „Run to you“ und anderen Stücken eher Fluch oder Segen sind… 😉 Wie seht ihr das? Bin gespannt auf eure Meinungen zum Text und natürlich zum Erfolg von Pentatonix.

Bildquelle:
(c) Hauke Musicaloris, „Pentatonix, April 7th, 2015“ https://flic.kr/p/rVR6ii
Bearbeitung: Zuschnitt des Bildes, Lizenz: https://creativecommons.org/licenses/by/2.0/

 P.S: Im Zuge meiner Recherche für diesen Blogpost bin ich über ein paar interessante (englische) Artikel über die Gruppe gestoßen, die ich euch natürlich nicht vorenthalten möchte:

Auf Deutsch gibt es leider nur sehr wenige lesenswerte Texte, die folgenden kann ich empfehlen:

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