Slixs in concert: „Quer Bach“ bei der chor.com 2015

Ich bin gerade unterwegs bei der chor.com, einem der Top-Events der deutschen Chormesse mit mehr als 150 Workshops und Reading sessions, drei Intensivkursen, 30 Konzerten, tägliche Offene Singen und der Messe mit über 70 Ausstellern.

Am Donnerstag bin ich in den Genuss eines ganz besonderen Konzerts gekommen: die sechsköpfige Vokalband Slixs (fast) akustisch mit einem sehr reduzierten technischen Setup in der eindrucksvollen St. Reinaldi-Kirche Dortmund. Ich war sehr berührt von ihrem wunderbaren Klang und der Abend geht bei mir definitiv in die Annalen meiner schönsten A-cappella-Konzerte ein.

Slixs sind normalerweise sehr „groovy“ und reißen das Publikum mit ihrer kraftvollen Mischung aus Jazz, Pop, Klassik und Weltmusik mit, die sie selbst „Vocal Bastard“ nennen.

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Die Gruppe hat speziell für die chor.com ein Programm erarbeitet, das ihre ruhigen Lieder in den Vordergrund stellt, die bei anderen Konzerten oft zu kurz kommen. Ein Großteil der Setlist bestand dabei aus a cappella arrangierten Instrumentalwerken von Bach.

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Nach dem Konzert hab ich mir die sechs Sangeskünstler für ein kurzes Interview geschnappt und Michael Eimann und Gregorio Hernàndez standen mir Rede und Antwort. Viel Spaß damit!

Ein großes Kompliment für das fantastische Konzert gerade eben – ich war komplett begeistert! Wie hat es sich für euch angefühlt?

Heute habe ich mich zurückversetzt gefühlt in meine Kindheit, als ich mit sechs Jahren im Krippenspiel „Vom Himmel hoch, da komm ich her“ gesungen habe. Es waren sehr gemischte Gefühle und wir haben uns gerade ein bisschen neu entdeckt. Ein Zuhörer aus dem Publikum verglich das Konzert und die Anforderungen an die Stimme mit 45 Liegestützen und so ähnlich hat es sich auch angefühlt.

Wie unterscheidet sich das heutige Programm von eurem üblichen Repertoire?

Normalerweise machen wir Funk, Pop und Jazz. Wir singen Cover-Versionen oder eigene Songs und versuchen immer die Vielseitigkeit der Stimme zu zeigen bzw. was alles damit möglich ist. Dabei setzen wir stark auf die Imitation von Instrumenten – z.B. von Gitarren und Bläsern – auf Improvisation und es ist viel „Herum-Gespinne“ dabei. Das ist auch bei den Bach-Werken geblieben, beschränkt sich aber weitgehend auf unsere Silben-Sprache, die wir spontan „Bachial“ getauft haben. Für uns ist es eine besondere Situation, dass wir hier strikt an Noten gefesselt sind, was wir beim normalen Programm nicht sind. In der Improvisation ist alles erlaubt und es gibt keine Fehler. Da ist man komplett frei. Hier müssen wir genau den Noten folgen.

Ursprünglich hat euch der Regisseur Robert Baumgarten darauf gebracht für den Soundtrack zum Film „Mensch Kotschie“ Bach-Werke a cappella zu vertonen. Als es dann später darum ging die CD „Quer Bach“ aufzunehmen und ein darauf basierendes Live-Programm auf die Beine zu stellen,  gab es da Bedenken in der Gruppe, ob es das Richtige für euch ist?

Ja, natürlich. Wir wollten es gerne machen, sind aber während der Proben auf stimmliche Herausforderungen gestoßen, die immer mehr anwuchsen. Es sind nicht nur die Noten oder die Zusammenhänge, die man auswendig können muss. Die Wörter, die wir verwenden, sind auch niedergeschrieben und müssen in den meisten Fällen genau so gesungen werden. Man sitzt da stundenlang und probt sich einen Wolf. Es war für uns eine Herausforderung, die Probenzeit zu finden, um das zu stemmen. Zeitdruck war ein großer Thema.

Habt ihr die Instrumentalwerke eigens für Stimmen arrangiert?

Ja, aber im Grunde waren es keine großen Eingriffe. Es klingt so, als ob viel verändert sein könnte. Es ist aber zum größten Teil das, was Bach geschrieben hat. Durch den Einsatz der Stimme verändert sich nur der Blick darauf. Das „Konzert für zwei Violinen (BWV 1043)“ kennt ja zum Beispiel fast jeder und bei uns klingt es völlig anders.

Habt ihr eine besondere Beziehung zu Bach?

Gregorio und Carsten wohnen in Leipzig und da besteht natürlich automatisch eine Verbindung zu Bach. Aber Bach ist ein unantastbares Element, sozusagen ein Naturelement. Ich habe immer Stücke von Bach auf dem iPod, z.B. die Goldberg-Variationen. Die gehören zu meinem Leben und das ist bei vielen von uns so. Die Beziehung zu Bach ist auf jeden Fall da. Wir haben auch viel Respekt vor der Musik und versuchen die Kompositionen kaum anzutasten. Warum sollte man das auch machen? Sie sind perfekt.

Warum singt ihr eigentlich Instrumentalwerke? Bach hat doch auch viele Chorwerke geschrieben.

Das machen andere. Wir wollen nicht so zu tun, als ob wir Klassiker wären. Wir versuchen uns dem Thema von einer anderen Seite zu nähern und es auf unsere Art zu interpretieren. Wir singen ja auch nicht wirklich klassisch, sondern mit Hauch auf der Stimme, Twang etc. Da könnte man sich fragen, darf man das? Und wir sagen, ja, das darf man. Das Stadium, in dem wir uns momentan befinden, könnte man allerdings immer noch als Schulbank bezeichnen, die wir drücken müssen. Deshalb bauen wir die Stücke teilweise schon in unser aktuelles Programm ein, um zu testen, wie wir damit umgehen. Ich glaube, in einem halben Jahr wird sich für uns einiges lösen.

Plant ihr eine Tournee mit einem Programm ähnlich zu dem, wie wir es heute gehört haben?

Ja, aber das wird erst im nächsten Jahr losgehen. Im März haben wir in Frankreich den ersten Auftritt damit. Danach geht es weiter.

Vielen Dank für das nette Gespräch und viel Spaß weiterhin bei der chor.com! 

Im Schott Verlag, der natürlich auch gerade hier in Dortmund vertreten ist, ist übrigens ganz neu das Slixs Songbook „Quer Bach“ mit sechs A-cappella-Arrangements für gemischten Chor erschienen. Bis zum nächsten Slixs Konzert könnt ihr euch ja schon einmal selbst an der „Bachial-Sprache“ versuchen! :-)

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