A-cappella-Vielfalt beim Wettbewerb Scala Vokal

Vor ca. zwei Wochen war ich beim Wettbewerb für A-cappella-Nachwuchsensembles des Schwäbischen Chorverbands Scala Vokal in Ludwigsburg. Ich hab ein bisschen überlegt, ob ich darüber schreiben soll, weil ich mit meiner Gruppe Nebensache selbst am Wettbewerb teilgenommen hab und man mir insofern ja „Befangenheit“ unterstellen kann, aber es war für mich in vielerlei Hinsicht ein so schönes Erlebnis, dass ich einfach darüber schreiben muss! :-)

Scala Vokal war nicht nur ein Wettbewerb, sondern eigentlich ein kleines Festival mit Konzert am Freitag (Die Feisten), verschiedenen Workshops, dem öffentlichen Wettbewerb und einer After-Show-Party am Samstag sowie einem Brunch am Sonntag. Ich war allerdings nur am Samstag dort.

Morgens fand der Soundcheck statt, nachmittags nahm ich an einem Bühnenpräsenz-Workshop teil. Ich habe danach mit anderen gesprochen, die die parallel angebotenen Workshops besucht haben, und das Feedback war gemischt. Ich fand „meinen“ Workshop auf jeden Fall sehr spannend, weil ich noch nie etwas in der Richtung gemacht habe und ein paar Übungen mitnehmen konnte, um mich mental besser auf Konzerte vorzubereiten.

Wir waren die ersten beim Wettbewerb und konnten dadurch direkt danach entspannen und die neun weiteren Teilnehmergruppen genießen. Was mir an Scala Vokal besonders gefallen hat, war die gebotene Vielfalt:

Mit Delta Q und Les Brünettes waren zwei Gruppen dabei, die ich eigentlich schon als Profis betrachte und deren Teilnahme mich deshalb sehr überrascht hat. Verdienterweise haben sie dann natürlich auch den ersten und zweiten Platz belegt. Wer sie nicht kennt, sollte unbedingt mal eins ihrer Konzerte besuchen. Die vier Jungs von Delta Q singen fast nur eigene Lieder in originellen Arrangements und überzeugen mit einer super Show. Les Brünettes sind für mich eine der besten weiblichen A-cappella-Gruppen der Welt.

Der beeindruckendste Auftritt war für mich der von One World Project. Die Gruppe setzt sich aus Sängerinnen und Sängern aus verschiedenen Teilen der Welt zusammen und sie haben ihren ganz eigenen Stil, der sehr untypisch für A-Cappella-Bands ist. Das fängt bei ihrem Klang an, der nicht so sehr auf komplexe Harmonien, aber auf viel Groove und Rap-Einlagen setzt, geht über ihr Staging (Aufstellung & Choreographie) bis hin zu den Texten. Sie covern zwar teilweise bekannte Songs (z.B. „Sweet dreams“), haben aber bei ihrem Auftritt auch ein eigenes, deutsches Stück gesungen, das sich mit dem Thema Flüchtlingspolitik beschäftigt – wirklich toll! Schön auch, dass ihre Kreativität und der Mut, sich musikalisch mit politischen Themen auseinanderzusetzen, von der Jury mit dem dritten Platz honoriert wurde.

Die Hörbänd hab ich jetzt schon das zweite Mal persönlich getroffen und gehört und ich hätte sie im Vorfeld auf dem dritten Platz gesehen. Mit ihren kreativen und toll arrangierten teilweise selbst geschriebenen Liedern (und ihrer neuen Sängerin) haben sie auch in Ludwigsburg einen super Auftritt hingelegt! Von den fünf wird man noch viel hören!

Von Add One hab ich leider nur das letzte Stück gehört, weil sie direkt nach uns dran waren. Verpasst habe ich zwei selbst geschriebene Lieder und ein Cover mit neuem Text. Was ich gesehen habe, hat mir sehr gut gefallen und ich würde sehr gern mehr hören! Ich hoffe, es ergibt sich irgendwann mal wieder die Gelegenheit – die zwei Jungs und drei Mädels improvisieren bei ihren Konzerten wohl auch sehr gerne, was ich immer spannend finde.

Beim Auftritt von mundARTmonika hab ich am meisten Spaß gehabt. Die vier Jungs erinnern aufgrund ihrer Besetzung und der humorvollen Texte natürlich im ersten Moment an Gruppen wie die Wise Guys und Maybebop, sie schreiben aber ihre eigenen Lieder und arrangieren Coversongs selbst (teilweise auch mit eigenen Texten). Ihr gesamtes Auftreten ist schon relativ professionell und insbesondere mit ihrem „zielgruppengerechten“ Schlager-Medley hatten sie das Publikum fest im Griff :-)

Die Harmoniacs sind ebenfalls ein Männer-Quartett – zwar noch nicht ganz so weit wie mundARTmonika, aber auf jeden Fall ebenfalls sehr unterhaltsam.

Joyces haben das musikalische Spektrum erweitert, indem sie nicht wie alle anderen Gruppen den Schwerpunkt auf Pop gelegt haben, sondern v.a. Jazz-, und Barbershop-Standards dargeboten hab.

Das Durchschnittsalter bei „Die Tönen“  lag gerade mal bei 17 Jahren – echt süß :-) Bei ihrem Auftritt konnte das Publikum auch einmal ein klassisches Stück und ein Lied der Comedian Harmonists hören, ansonsten überwiegend Musik der Wise Guys.

Über Nebensache kann ich natürlich nur schreiben, wie ich unseren Auftritt erlebt habe. Uns hat es auf jeden Fall sehr viel Spaß gemacht – auch wenn wir das vielleicht nicht ganz so gut zeigen konnten wie in unseren Konzerten. (Wir haben uns das Ganze nicht so sehr wie ein Konzert vorgestellt und deshalb unsere Moderationen sehr knapp gehalten. Die Mikrofon-Situation war auch nicht ganz ideal, weil wir nicht damit gerechnet haben, dass wir mit Solo-Mikros singen „müssen“. So eine Ausstattung ist eigentlich super für Vokalbands, für uns nur leider komplett ungewohnt. Bei der Kommunikation im Vorfeld mit den Organisatoren gäbs also auf jeden Fall noch beidseitiges Verbesserungspotential…) Nichtsdestotrotz war ich aus musikalischer Sicht ganz zufrieden mit unserer Leistung und ich denke, auch wir konnten unseren Beitrag zu einem abwechslungsreichen Abend leisten. 😉

https://soundcloud.com/nebensache-1/true-colours-bei-scala-vokal?in=nebensache-1/sets/scala-vokal-2015

Das Feedback der Jury empfand ich sehr nett und hilfreich, auch wenns natürlich schade war, dass nur die ersten drei Plätze vergeben wurden (insbesondere, wenn man in Betracht zieht, dass die zwei bestplatzierten Gruppen mindestens im semi-professionellen Bereich aktiv sind und die Preise insofern vorhersehbar waren.)

Super war das zentrale Catering Backstage für alle Gruppen und die After-Show-Party, so dass man im Nachhinein noch viel Gelegenheit zum Austausch und gemeinsamen Feiern hatte. Das Besondere an der A-cappella-Szene ist ja gerade, dass viele Gruppen ein Bedürfnis danach haben sich auszutauschen und sich in der Regel sehr wertschätzend gegenüber stehen. Ich möchte an dieser Stelle deshalb auch nochmal dem Schwäbischen Chorverband und dem Scala Team ein großes Dankeschön aussprechen, dass sie uns die Gelegenheit dazu gegeben haben, uns so einen tollen Tag beschert haben und dem Publikum durch den Wettbewerb gezeigt haben, wie vielseitig A-cappella-Musik sein kann. Der Termin für Scala Vokal 2016 (16.4.) ist schon in meinem Kalender vermerkt. :-)

Wart ihr vielleicht auch bei Scala Vokal dabei – im Publikum oder als Teil einer Gruppe? Wir hat es euch gefallen? Welchen Gruppen hättet ihr gerne einen Preis verliehen?

3 Gedanken zu “A-cappella-Vielfalt beim Wettbewerb Scala Vokal

  1. Toller Bericht! :)
    Ich war auch in Ludwigsburg bei Scala vokal vor Ort.
    Ich muss sagen, dass die Ausschreibung des Schwäbischen Chorverbands sehr offen gehalten war, weswegen ja auch von ganz jungem Nachwuchs bis Professionellen Ensembles alles vertreten war.
    Zugegebenermaßen – ich bin auch nicht ganz unvoreingenommen – aber die Ausschreibung lies eben alles zu.
    Delta Q fand ich aber keinesfalls fehl am Platz bei diesem Wettbewerb. Sie arbeiten nicht hauptberuflich damit und sind auch kein rein studiertes Ensemble. Sie arbeiten halt sehr hart am Gesamtkonzept und perfektionieren dieses von Auftritt zu Auftritt.
    Was ich eher etwas fragwürdig fand war die Teilnahme von Les Brünettes und auch von AddOne. Wenn Ensembles aus studierten Jazz-/Popsängern bestehen zählt das einfach für mich persönlich nicht mehr zur Nachwuchsszene.
    Aber das ist alles eben auch Ermessungssache und die Ausschreibung lies selbst diesen großen Spielraum zu.
    Ich hätte die HörBänd noch auf einem Platz gesehen.. Ich fands sehr einfallsreich und orginell. Das fand ich etwas schade.
    Für mich aber dennoch Delta Q absolut zu Recht auf Platz 1, was man eben auch durch die Publikumspreis-Abstimmung merkte. Sie sind einfach sehr unterhaltsam, haben tolle Arrangements, schaffen es ihre Vielfältigkeit auf die Bühne zu bringen und sind einfach musikalisch auch top – gelungenes Gesamtkonzept!.
    Ich fand aber auch One World Project und die beiden Gruppen Harmoniacs und mundARTmonika echt unterhaltsam. Nur eben musikalisch fehlte mir persönlich noch etwas der Feinschliff..
    Alles in allem ein toller erster A-Capella-Wettbewerb des Schwäbischen Chorverbands mit großer A-Cappella Vielfalt und viele Stunden A-Cappella Musik in einer echt gut dazu passenden Location :)

    1. Hi Anna, Danke für den Kommentar! Ich hab Delta Q auch nicht als „fehl am Platz empfunden“ – ich persönlich habe den Wettbewerb im Vorfeld nur so interpretiert, dass er sich tendentiell an Laien richtet. Ich war generell überrascht, dass das Niveau so hoch war und es kein regionales Event war, sondern Gruppen teilweise sehr weite Wege auf sich genommen haben. Zum Zuschauen war das natürlich super und ich finds immer gut, wenn ich andere Gruppen treffe, von denen ich was lernen kann. Im Fall der Brünettes und Delta Q war ich einfach besonders überrascht, weil sie teilweise schon Wettbewerbe gewonnen haben, bei denen das Niveau so hoch ist, dass „normale Laien“ sich da gar nicht erst bewerben müssen/können (z.B. Vokal Total in Graz und der A cappella Wettbewerb in Leipzig). Sie sind einfach sehr etabliert – viel mehr kann man sogar international gesehen in der Szene eigentlich nicht gewinnen und dann finde ich es erstaunlich, wenn man sich unter diesen Voraussetzungen bei einem „Nachwuchswettbewerb“ bewirbt. Aber man darf natürlich nicht unterschätzen, dass so ein Auftritt bzw. Sieg immer auch gute Werbung ist….
      Aus meiner Sicht waren die beiden Platzierungen auf jeden Fall schon im Vorfeld klar, deshalb wärs spannend gewesen was ab Platz 3 rauskommt und ich fands schade, dass man im mittleren/hinteren Feld keine Wertungen mehr gemacht hat. Werbeeffekt hat es natürlich dann auch keinen mehr, wenn man Platz 4-10 macht, aber man kann sich zumindest besser einordnen.

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