Aarhus Vocal Festival 2015 – Teil 2

Hier kommt der versprochene zweite Teil meines kleinen Nachberichts über das wunderbare AAVF (Aarhus Vocal Festival). Falls ihr noch keine Gelegenheit zum Lesen hattet, Teil 1 findet ihr hier.

Sonntag: Tag 3
Am Sonntag übernahmen Katarina Henryson (The Real Group) und Jim Daus Hjernøe das morgendliche Einsingen.

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Beim Workshop mit Ørehænger, alias Morten Kjaer und Malene Rigtrup lernten wir zwei Arrangements („Incomparable“ und „Satellite“) aus ihrem neuen Songbook „Soulfoul Scandinavia“. Dann fing bei mir langsam die Nervosität an aufgrund meines Lunchkonzerts mit Nebensache auf der großen Bühne… Es hat aber großen Spaß gemacht und war eine tolle Erfahrung für uns!

Nachmittags habe ich mir dann nach den vielen Eindrücken eine kleine Workshop-Pause gegönnt bis zum Chorwettbewerb. Mein erstes Highlight in diesem Rahmen war die 12-stimmige Gruppe Dopplers aus Dänemark, die am Ende auch verdienterweise den zweiten Platz und den Sonderpreis für die innovativste Performance gewonnen hat. Man kann natürlich darüber streiten, ob 12 Leute wirklich schon ein Chor sind, aber musikalisch war das auf jeden Fall top und es hat großen Spaß gemacht, ihre Bühnenshow zu sehen!

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Der zweite Chor, der mich beim Wettbewerb beeindruckt hat, war LYT (ebenfalls aus Dänemark) unter der Leitung von Tine Fris. Ich hätte sie auf jeden Fall auf dem dritten Platz gesehen – das war der einzige Punkt, bei dem ich anderer Meinung war als die Jury, die Fontys Jazz Choir aus den Niederlanden weiter vorn sah. Aber der Klang von LYT war wirklich großartig – wenn man die Augen zugemacht hat, hätte man denken können, Vocal Line stehen auf der Bühne!

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Ein ganz besonderer Moment (nicht nur im Rahmen des Wettbewerbs, sondern des gesamten Festivals) war der Auftritt von Vivid Voices aus Hannover unter Leitung von Claudia Burghard. Die Sieger des deutschen Chorwettbewerbs 2014 wurden schon im Vorfeld von vielen als Favoriten gehandelt und nachdem ich sie auch schon mehrfach live gesehen hab, wusste ich auch, dass da was Großes auf uns zukommt. Aber mit ihrem Auftritt haben sie die hohen Erwartungen sogar noch übertroffen! Sie waren der einzige Chor der ohne Einzelmikrofonierung (und ohne Schuhe :-)) aufgetreten ist und sie haben einfach auf ganzer Linie überzeugt: ein Wahnsinns-Klang mit krasser Dynamik, der für Gänsehaut gesorgt hat, tolle Choreographien und extrem spannende Arrangements – allen voran die fantastische Version des Pflichtstücks „Silent all these years“ aus der Feder von Oliver Gies. Ich glaube, die Jury musste nicht lang überlegen, wem sie den ersten Preis und den Sonderpreis für das beste Arrangement gibt… Danach bin ich noch Stunden später auf Wolken geschwebt, weil dieser Auftritt so viele Glücksgefühle in mir geweckt hat :-) Aber der Tag ging ja noch weiter!

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Am Abend durften Vivid Voices als Gewinner des Chorwettbewerbs noch einmal auftreten – ebenso Åkervinda und Mix, die ich ja schon beim Ensemble-Wettbewerb gehört hatte. Arora aus den USA waren nicht ganz so mein Ding. Sie haben natürlich schön gesungen, aber ihr Set war aus meiner Sicht relativ langweilig, weil sich die Lieder sehr geähnelt haben. Von der Gruppe hatte ich mir mehr erwartet, aber ich habe auch von einigen Leuten gehört, dass sie den Auftritt toll fanden.

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Womit ich auch nicht ganz so viel anfangen konnte, war das Improvisationskollektiv Blue Planet rund um Bob Stoloff, Roger Treece und Rhiannon. Es war natürlich sehr eindrucksvoll, wie sie aus dem Stand Musik kreiert haben, aber ich glaube, zu dem Zeitpunkt war mein Kopf schon etwas zu „matschig“, um alles verarbeiten zu können.

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Die Krönung des Abends war absurderweise der Mädchenchor (Pigekor) aus Mariagerfjord unter Leitung von Signe Sørensen. :-) Damit hatte ich überhaupt nicht gerechnet, aber das war einer der coolsten Chöre, die ich je live gesehen hab – so viel Energie auf der Bühne und die Ausstrahlung der Mädels zwischen 13-20 war wahnsinnig beeindruckend! Der Saal hat getobt! Ganz krass wurde als sie angefangen haben zu rappen. :-)

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Daneben gab es noch ein paar sehr coole Momente im Laufe des Abends z.B. das Beatbox-Battle zwischen Indra und Roxorloops sowie der kleine Wettbewerb um den tiefsten Ton zwischen Kristoffer Fynbo Thorning (Postyr) und Tobias Hug (Beatvox / The Beatbox Collective / Ex-Swingle Singer) und natürlich die Party danach mit DJ Static!

Montag: Tag 4
Bei „Meet the instructors“ hatten wir Teilnehmer am Abschlusstag Gelegenheit den Dozenten bei einer kleinen Diskussionsrunde Fragen zu stellen. Eventuell werd ich dazu noch einen separaten Blogpost verfassen, weil ich es extrem spannend fand, was die Workshopleiter zu meiner Frage über Unterschiede bei der Arbeit mit SängerInnen aus verschiedenen Ländern erzählt haben.

Danach stand das Konzert der Single Singers auf dem Programm. Die Single Singers sind ein Chor bestehend aus SängerInnen, die ohne eigene Gruppe an einem Festival teilnehmen und sich zusammenschließen, um gemeinsam Musik zu machen. Beim AAVF bestand der Chor aus Mitgliedern aus acht Ländern. Sie hatten nur zwei Proben zusammen, aber dafür klangen sie wirklich super!

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Das Programm des MidtVest Pigekor feat. Walter Thompson im Anschluss daran war mir etwas zu abgefahren. Es war mehr ein Experimentieren mit Klängen als das, was ich unter Musik verstehe. Aber auch hier habe ich von vielen im Nachhinein gehört, dass sie es super fanden und ich finde es auch toll, dass im Rahmen des Festivals auch ungewöhnliche Projekte ihren Platz haben. Die Vocal Big Band Touché unter Leitung von Jesper Holm war ein sehr würdiger, wunderbarer Abschluss für ein grandioses Festival und für mich eine meiner Lieblingsgruppen beim AAVF. Wie schon beim Vocal Jazz Workshop am Tag zuvor war ich völlig begeistert!

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Last but not least war das Festival natürlich auch ein bisschen Familientreffen der A-cappella-Begeisterten rund um die Welt. Insgesamt waren es rund 750 Teilnehmer, davon grob geschätzt ca. 200 aus Deutschland, die meisten aus Dänemark und dann noch einige aus Israel, den Niederlanden, Frankreich, den USA, Taiwan etc. Die Atmosphäre war (wie bei vielen Vokalfestivals) wunderbar, alle gehen extrem wertschätzend miteinander um, sind offen für einander und haben durch die gemeinsame Leidenschaft fürs Singen immer direkt ein Thema, über das man sprechen kann. Ich hab auf jeden Fall viele wunderbar nette Menschen kennengelernt bzw. wieder getroffen und freu mich schon auf das nächste Mal!

Ein riesengroßes Dankeschön an das Orga-Team und die vielen Freiwilligen! Das Festival war perfekt organisiert, alles lief reibungslos, das Essen, das man dazu buchen konnte, war sehr gut und wie der Text zeigt, hätte man beim Programm nichts besser machen können – ein rundum fantastisches Erlebnis! Ich hoffe wirklich sehr, dass beim nächsten AAVF noch viel mehr Chorleiter und Sänger aus Deutschland nach Aarhus kommen, um zu sehen, was im Bereich „A cappella Pop&Jazz“ alles geht und um das, was sie gesehen und gelernt haben, in die Welt tragen zu können und hierzulande umzusetzen. Ich werd auf jeden Fall wieder dabei sein!

Der Text ist leider wieder ein bisschen“lang geworden. Ich hoffe, ihr verzeiht meine kleinen Ausschweifungen. 😉 Wie hat euch die Zusammenfassung gefallen und was war euer Highlight beim AAVF bzw. was hättet ihr gerne live erlebt? Hinterlasst einen Kommentar mit euren Lieblingsmomenten!

In meiner Youtube Playlist findet ihr noch einige weitere Videos vom Festival und hier gibts Fotos.

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