Workshop mit Erik Sohn und Felix Powroslo

Ich hatte ein sehr intensives Wochenende beim Ensemble-Workshop des Schwäbischen Chorverbands und wollte euch ein bisschen davon berichten, was ich so erlebt und gelernt habe. Ich bin in den Genuss gekommen, zwei Tage mit den renommierten Vocal Coaches Erik Sohn und Felix Powroslo, meiner Vokalband Nebensache und drei weiteren Gruppen in Dietenheim-Regglisweiler zu verbringen und um es gleich vorweg zu nehmen: es war super und ich habe wahnsinnig viel mitnehmen können!

Coaching mit Felix Powroslo (c) Nebensache

Coaching mit Felix Powroslo
(c) Nebensache

Am Samstag Morgen ging es mit einem Warm up von Erik los, bei der die (reflektorische) Atmung und das Hören ganz im Zentrum standen. Danach folgte eine kurze Vorstellungs- und Vorsingrunde. Schön war hier zu sehen, wie unterschiedlich die vier Ensembles waren – alle gemischt, aber in jeweils unterschiedlicher Besetzung und was die musikalische Ausrichtung betraf.

Nach dem Einsingen haben wir uns aufgeteilt und je eine Gruppe wurde von Felix und Erik getrennt gecoacht. Die anderen beiden Ensembles durften zuschauen, was toll war, weil man schon dabei extrem viel lernen konnte. Insgesamt hat jede Gruppe am Samstag 2,5 Stunden und am Sonntag nach einem Warm up von Felix nochmal 1,5 Stunden mit den Dozenten gearbeitet. Die jeweils letzte Einheit haben die beiden zusammen geleitet. Davor durfte jede Gruppe ihre Fortschritte im Speisesaal vor dem Personal und den anderen Gästen im Tagungszentrum „Kloster Brandenburg“ präsentieren.

Ich kann jedem Chor oder Ensemble nur wärmstens empfehlen, sich mal den „Luxus“ eines Coachings zu gönnen. Ich hatte mit Nebensache ja schon im Mai das Vergnügen bei der Internationalen A-cappella-Woche Hannover mit Rajaton zu arbeiten und obwohl es nur eine Stunde war, haben wir dabei extrem viel gelernt und der Workshop war ein richtiger Motivationsschub. Darüber hinaus hilft uns die Intonationsübung, die uns Jussi und Ahti gezeigt haben, bei jedem neuen Stück; und bei den beiden, an denen wir während des Workshops geprobt haben, ist die Steigerung seitdem deutlich hörbar.

Mit Felix und Erik war es besonders fruchtbar – zum einen durch die viele Zeit (, die einem natürlich trotzdem viel zu kurz vorkam), zum anderen durch ihre Art, die Workshops zu leiten. Beide sind extrem nette und lustige Menschen, tolle Lehrer und sie haben es zu jeder Zeit geschafft, eine angenehme Atmosphäre aufzubauen, in der man auch Fehler machen konnte und sich nie unter Druck gefühlt hat. Außerdem fand ich es bemerkenswert, dass sie nie die verschiedenen Gruppen miteinander verglichen haben. Das hat sicherlich seinen Teil dazu beigetragen, dass auch die Stimmung zwischen den Ensembles sehr gut und wertschätzend war und schon die ersten gemeinsamen Konzertpläne geschmiedet wurden.

Was mich auch beeindruckt hat, war, dass sie bei jedem Stück – unabhängig vom Reifegrad – das Beste aus den Gruppen herausgeholt haben. Wir haben zwei Stücke mitgebracht, die schon relativ gut liefen und eins, bei dem wir das Gefühl hatten, dass wir alleine nicht mehr richtig weiterkommen. Bei allen drei haben wir aus unserer Sicht riesige Fortschritte gemacht. Bei den ersten beiden Stück v.a. bei der Interpretation, bei „Bumble Bee“ eher bei der Basisarbeit (Rhythmus, Tonartwechsel, Tempo etc.).

Ich habe aber drum herum noch viel mehr gelernt z.B. wie wichtig Emotionen beim Singen sind. Das mag vielleicht banal klingen, aber es gab einen konkreten Aha-Moment, als ich beim Coaching der Gruppe vocalissimo zuschauen durfte und sie ihr emotionales „Alltagsband“ überwunden und mich mit ihrer Fassung von „Weit weit weg“ und „The rose“ zum Weinen gebracht haben. Wie wichtig die Begleitstimmen sind, um die Solisten zu stützen und ihnen nicht das Gefühl zu geben, dass die gesamte Verantwortung für das Stück auf ihren Schultern lastet, habe ich sowohl bei mir selbst als auch beim Coaching von vocalissimo realisiert; darüber hinaus wie wichtig die Kopfstimme für das Obertonspektrum ist (auch für den Bass!).

Außerdem fand ich extrem spannend, was Felix uns zum Thema „Flocking“ (Schwarmverhalten) erzählt hat und dass z.B. das gemeinsame Einatmen einer Gruppe auch ohne „Leithammel“ perfekt funktioniert, wenn sich alle gleichermaßen verantwortlich fühlen. Ein weiterer Aha-Moment war, als Erik uns erklärt hat, wie wichtig die Vokale für den Sound und das Timing einer Gruppe sind und dass Chöre mit Band deshalb oft zeitversetzt klingen. Und ich könnte wahrscheinlich noch ewig so weitermachen…:-)

Alles in allem war es ein sehr, sehr schönes und lehrreiches Wochenende und ich möchte mich nochmal herzlich beim Schwäbischen Chorverband für die tolle Organisation und natürlich bei den Dozenten bedanken! Ich hoffe sehr, es gibt bald eine Wiederholung!

Nebensache mit Erik Sohn und Felix Powroslo (c) Nebensache

Nebensache mit Erik Sohn und Felix Powroslo
(c) Nebensache

Wer Lust bekommen hat, einen Workshop mit Erik oder Felix zu besuchen, hat im nächsten Jahr z.B. bei der voc.cologne, der BERvokal oder der chor.com die Gelegenheit – oder ihr sucht euch noch 1-2 weitere Gruppen und bucht sie einfach für ein paar Stunden. Alle Infos über die beiden findet ihr hier:

www.powroslo.de

www.eriksohn.de

P.S. viele liebe Grüße an vocalissimo, das noch namenlose Quartett aus Kassel und die Happy Jazz Singers – es war toll, euch kennenzulernen und singen zu hören!

Ein Gedanke zu “Workshop mit Erik Sohn und Felix Powroslo

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

*